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Irmela Mensah-Schramm

©CNN - Irmela Mensah-Schramm
©CNN - Irmela Mensah-Schramm

Mein Vater war Schauspieler und meine Mutter Kinderkrankenschwester.

Bis in die sechziger Jahren lebte ich in Baden Württemberg und verbrachte meine Schul – und Ausbildungsjahre dort, sowie die ersten Berufsjahre im Pflegeberuf.

 

1969 zog ich nach Berlin/West, wo ich  erst  die Erzieherausbildung und  später eine heilpädagogische Zusatzausbildung mit Examen abgeschlossen habe. Mein beruflicher Schwerpunkt lag darin, gerade Kinder und Jugendliche der „Randgesellschaft“ zu  fördern und auch  zu stärken. Schnell wurde mir bewusst, dass der erlernte Lehrstoff für diesen Beruf, nicht dass einzig richtige „Werkzeug“ war, denn viel Eigeninitiative, und besonders viel Einfühlungsvermögen waren gefordert.

In Berlin

Berlin politisierte mich und in den siebziger Jahren schloss ich mich erst der Anti-Atomkraft-Bewegung und kurz darauf der Friedensbewegung an. 1975 arbeitete ich ehrenamtlich bei der Flüchtlingsberatung für Amnesty International. Einige Jahre war ich Mitglied der „Alternativen Liste“, später bei den Grünen.

 

Nach meinem Umzug 1986  innerhalb Berlin/West nach Wannsee wurde ich dort bald frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit an der Bushaltestelle vor dem Haus mit dem Fund des  ersten Naziaufkleber und war zuerst untätig. Dies dauerte nicht lange: noch am selben Tag, als ich es nachholen wollte, stellte ich zugleich fest: Es ist mir niemand zuvor gekommen.

Sticker "Freiheit für Rudolf Hess"

Gleich, nachdem ich diesen Sticker, der die „Freiheit“ für den im Kriegsverbrechergefängnis einsitzenden Rudolf Hess forderte, erfolgreich und restlos entfernt hatte, entfuhr es mir mit einem ganz tiefen Seufzer. „Ach, er ist weg, der geistige Dreck!“ 

 

Das dies nicht der einzige Nazisticker war, stellte ich bald fest und schaffte mir eine Ausrüstung an: Schaber, Nagellackentferner und Farbe. Seit diesem Tag, im Spätsommer 1986  bin ich fast ständig unterwegs und habe in allen Bundesländern den Urhebern gezeigt, dass es Widerstand dagegen gibt! Auch bei Bedrohungen, Anfeindungen und Strafanzeigen wegen angeblicher Sachbeschädigung, da ich ja die Hassbotschaften beschädigt, d.h. zerstört habe.

„Hassschmierereien fotografiert und vernichtet"

Da ich die Gleichgültigkeit meiner  Mitmenschen nicht mehr ertragen konnte, entwarf ich ein Konzept  für  die Ausstellung „Hassschmierereien fotografiert und vernichtet“, mit der ich sensibilisieren und Mut machen möchte für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen! 

 

Die Ausstellung stieß sicher auf unterschiedliches Interesse, überwiegend jedoch positiv. Dennoch gab es Stimmen, die meinten mir sagen zu müssen, ich mache „Werbung für die Neonazis“. Dennoch ist es mir gelungen, vielen Mitmenschen die „Augen zu öffnen und ich stelle fest, dass ich Mitstreiter*innen gefunden habe. Die Workshop-Projekte, wofür die Ursprungsidee von einer Kirchengemeinde in Hohenschönhausen 2002 stammte, führe ich in geänderter Form seit 2003 durch. Auf DIN-A4-s/w-Kopien mit eindeutigen Hassbotschaften werden mit friedvollen Antworten verfremdet. Eine kritische Auseinandersetzung  und Sensibilisierung für diese Hassaussage findet statt.

Lebenstationen von Irmela Mensah-Schramm

  • Geboren 1945 in Stuttgart.
  • Aufgewachsen und Schulzeit in Baden Württemberg und  in Lugano/ Südschweiz.
  • Erste Ausbildungsjahre  und erste Berufsjahre auch im pflegerischen Beruf  wieder in Baden Württemberg.
  • 1969 Umzug nach Berlin und Aufnahme der Erzieherausbildung mit Anerkennung und weiteren Aufbaustudien in Heilpädagogik.
  • Arbeit erst im sozialpädagogischen Bereich und seit 1975 im heilpädagogischen Bereich zur Heilpädagogischen Lehrkraft bis zum beruflichen Ruhestand Ende 2005.
  • Engagiert habe ich mich in den 70iger Jahren bei Amnesty International, Anti-Atomkraft   -  und wenig später auch in der Friedensbewegung. 
  • 1985 Beginn meiner Beteiligung an Sitzblockaden gegen die Atomrüstung.
  • 1986 Beginn der Aktionen gegen die Hass/Nazipropaganda im öffentlichen Raum.
  • 1994 Auszeichnung mit der Bundesverdienstmedaille – und deren Rückgabe 2000.
  • 1995 erste Ausstellung  „Hassschmierereien fotografiert und vernichtet“ in Berlin.
  • 1997 Auszeichnung mit dem Band für Mut und Verständigung und deren Rückgabe 2010.
  • 2000 Präsentation  als eine der 47 Deutschen auf der EXPO in Hannover.
  • 2001 Ehrenpreis der ‚Harold-Bob-Stiftung’  in Berlin.
  • 2004 Beginn der Workshop-Projekte  „Mit bunten Farben gegen braune  Parolen“.
  • 2005 Auszeichnung mit dem Erich – Kästner - Preis  in Dresden.
  • 2005 Auslandpräsentation in Luxemburg
  • 2006 Auslandpräsentationen in Luxembourg (Luxemburg)  und Wien (Österreich).
  • 2007 Auslandpräsentationen in Luxembourg
  • 2008 Auslandpräsentation in   Choijna (Polen)
  • 2009 Auslandpräsentation in Choijna (Polen)
  • 2011 Auslandpräsentation in Asti (italien)
  • 2012 Auszeichnung mit Betirksmedaille in Kreuzberg-Friedrichshain
  • 2013 Auszeichnung als EXIT – Botschafterin *
  • 2014 Beteiligung mit Workshop - Projekt  beim ‚Flow - Festival’ in Helsinki (Finnland)
  • 2014 Auszeichnung mit „Vorbilder schaffen“ vom MAHDI e.V. **
  • 2015 Auszeichnung mit dem ‚Göttinger Friedenspreis“
  • 2016 30 Jahre („Politputze“)- Aktionen gegen Nazipropaganda
  • 2016 über 450 Ausstellungen und über 100 Workshop-Projekte

* Nazi-Aussteiger Projekt in Berlin

** Muslime Ausländischer Herkunft Deutscher Identität“

 

Ein Projekt von Frauenkreise sowie Schluss mit Hass & Partner

Irmela Mensah-Schramm - Mitgründerin der Initiative Schluss mit Hass
Gesicht Zeigen! Für eine weltoffenes Deutschland e.V.
Frauenkreise Berlin – Initiator, Mitorganisator und Stellung der Ausstellungsräume für die Ausstellung Überzeichnet in der Choriner Str. 10, Berlin
EUROPA VERLAG - "Mein Kampf gegen Rechts"
Ogilvy & Mother Berlin , eine der kreativsten Werbeagenturen in Deutschland